Reagiere ich allergisch auf Spermien, Embryonen oder Kulturmedien, die bei einem Embryotransfer verwendet werden?

Aktueller denn je!

Ich verweise auf einen Blogbeitrag, den ich im Dezember 2014 erstellen ließ. Damals ging es vor allem um die Spermien des Partner. Schon damals verwiesen wir aber auch auf mögliche allergische Reaktionen der Geschlechtsorgane der Frau nicht nur auf Spermien! … Sondern auf andere Umweltfaktoren wie etwa auf das Kulturmedium, das bei einem Embryotransfer nach IVF-Therapie zum Einsatz kommt.

Jetzt wurde ein Patent für eine Arbeitsgruppe in Canada genehmigt, welches sich auf Fragestellungen bezieht, die ich schon im Dezember 2014 in den Raum gestellt habe.

Noch angemerkt: eventuell werden auch Spermien des Partners zu aggresiv von der Frau in der Scheide zerstört. So, dass es die Samenzellen nicht zur Eizelle schaffen, um diese zu befruchten. …. Oder zumindest die Chancen vermindert werden. Dazu gibt es neue Erkenntnisse, die Sie HIER finden.

Die Wissenschaft auf diesem Gebiet beginnt gerade zu florieren. Das ist schön zu sehen … und schön, selbst dazu beitragen zu dürfen.

Hier der Original-Text von meinem Blog aus dem Jahr 2014

Titel: „Reagiere ich etwa allergisch auf die Spermien meines Partners?“

Untertitel: Allergie als mögliche Ursache für das Ausbleiben einer Einnistung des Embryos nach IVF-Therapie

Eine Frage, die ein ungewollt kinderloses Paar, auch nach mehreren Bemühungen, schwanger zu werden, durchaus an den behandelnden Arzt stellen könnte. Denn, allergische Reaktionen der Gebärmutterschleimhaut auf die Spermien des Partners oder auf das verwendete Kultur-Medium, in welchem der Embryo im Rahmen einer IVF-Therapie heranwächst, könnten auch als mögliche Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch in Betracht gezogen werden. Moderne Methoden der Allergie-Testung gewinnen daher in der heutigen Reproduktionsmedizin immer mehr an Bedeutung.

Abklärung der Ursachen von Einnistungsfehlschlägen und Fehlgeburten

Die Immunologie wird häufig als Grund genannt, wenn es bei einer Kinderwunschbehandlung zu keiner Implantation des Embryos kommt. Darüber hinaus wird oft auf immunologische Faktoren verwiesen, wenn es zu Fehlgeburten kommt.

Aber auch genetisch bedingte Ursachen können in beiden Fällen in Frage kommen. Eine Abklärung mittels Präimplantationsdiagnostik (PID) ist deshalb aus medizinischer Sicht durchaus sinnvoll. Diese Methode dient dazu, genetische Störungen am Embryo vor dessen Transfer in die Gebärmutter zu erkennen bzw. um diese am Embryo auszuschließen. Auf diesem Fachgebiet der Genetik geschieht aktuell sehr viel, und ich werde einen ausführlichen Blog darüber schreiben, sobald wir vom entsprechenden PGDIS-Kongress in Chicago zurück sind.

Da Einnistungsstörungen und Aborte viele Ursachen haben können, bedarf es einer individuellen Abklärung und Festlegung der entsprechenden Therapie.

Um auf die immunologischen Faktoren zurückzukommen, werden die Abklärung mittels oft aufwendigen und kostenintensiven Laboranalysen (KIR-Antigene, HLA-Typisierung, Thrombophilie -Screening) sowie Therapien, z.B. eine Partnerimmunisierung (Lymphozyten des Partners werden der Frau nach Aufarbeitung transferiert, Intralipid-Infusion) oft als letzter Ausweg angesehen.

Hier muss jedoch festgehalten werden, dass es bezüglich der Analysen von KIR-Antigenen, der HLA-Typisierung oder der Immunisierung mit Partnerlymphozyten / Intralipid-Gabe wissenschaftlich betrachtet derzeit keine ausreichend fundierte Grundlage für diese Abklärungsformen sowie Behandlungen gibt. Daher sind wir sehr skeptisch.

Aber hat schon jemand über eine allergische Reaktion der Gebärmutterschleimhaut auf das Kultur-Medium, in dem sich der Embryo beim Embryo-Transfer befindet, oder über eine Allergie der Schleimhaut auf die Spermien des Mannes nachgedacht? 

Allergische „Rhinitis“ der Schleimhaut

Schon kleinste Mengen von Substanzen, die sich auch in Kulturmedien befinden, können Ursache für allergische Reaktionen sein – ähnlich wie etwa gerötete Augen, nach der Verabreichung von Augentropfen, auf die man allergisch reagiert oder eine rinnende Nase (allergische Rhinitis), etwa bei einer Pollenallergie.

Eine allergische Reaktion kann auch auf den Samen des Partners auftreten: dies könnte dazu führen, dass sich die Schleimhaut nicht gut aufbaut oder es nicht zur Einnistung kommt, da die Gebärmutterschleimhaut reaktiv auf das Allergen während der Zeit der Einnistungsperiode ebenfalls vermehrt Flüssigkeit produziert, wie oben, z.B. bei allergischer Rhinitis, beschrieben.

Wir denken bei solchen Zusammenhängen primär an diese Faktoren, aber auch an andere, häufige Ursachen.  Die seltenen „Exoten“ (wenn es diese überhaupt gibt – gemeint sind die KIR-Antigene, HLA-Klassen, Partnerimmunisierung, Intralipid-Gabe u.v.m.) bleiben selten und liefern mit dem heutigen Wissensstand derzeit kaum brauchbare Ergebnisse.

Methoden der Allergie-Testung

Durch moderne Technologien und weiterentwickelte Methoden können wir eine hochsensitive und sehr präzise Testung auf Allergene durchführen (Details dazu erfahren Sie demnächst hier im Kinderwunsch BLOG).

Bei entsprechender Indikation empfehlen wir eine Testung auf mögliche Allergien auf Substanzen in den Kulturmedien bzw. auf Partnerspermien. Falls sich eine Allergie findet, sollte ein anderes Medium für die Embryonenkultur und den Embryo-Transfer gewählt werden und bei Allergie auf Spermien eine sexuelle Karenz (nur geschützter Geschlechtsverkehr) für mehrere Wochen empfohlen werden.

Unabhängig von diesen Ausführungen sollten ungewollt kinderlose Paare daran denken, sich vor einer IVF-Behandlung zunächst auf eine mögliche Allergie auf den Samen des Partners testen zu lassen. Eventuell könnte durch Gabe von Anti-Histaminika und Cortison eine Schwangerschaft eintreten, ohne den Weg einer weiterführenden Kinderwunschbehandlung mit IVF/ ICSI einschlagen zu müssen.

Die Methoden der Allergie-Testung nach modernstem Stand, werden aktuell in unseren IVF-Zentren angeboten.

Wenn sich ein Kinderwunschpaar an uns wendet und trotz unserer Beratung dahingehend, dennoch die besagten Laboranalysen (KIR-Antigene, HLA-Typisierung, Thrombophilie -Screening), oder eine Partnerimmunisierung / Intralipid-Infusion in Anspruch nehmen wollen (wir sehen leider viel zu häufig, dass Paare natürlich verzweifelt sind und an solche Dinge festhalten und wir es nicht schaffen, ihnen dies darzustellen), dann können wir dies nach gründlicher Aufklärung und Abwägen der Pros/Cons selbstverständlich auch anbieten.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass für den Erfolg einer Kinderwunschbehandlung möglichst viele Ansätze in Betracht gezogen werden sollten. Einzelne Therapievorschläge, die Immunologie betreffend, können durchaus sinnvoll sein, jedoch immer in Verbindung mit der individuellen Krankengeschichte. Wichtig ist, durch Aufklärung und Transparenz, Sicherheit und Vertrauen zu schaffen.

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