Ursachen der Unfruchtbarkeit beim Mann

Ursachen für Fertilitätsstörungen beim Mann

1. Schlechte Spermienqualität

Die Einschränkungen der Spermakonzentration sowie der Beweglichkeit und Morphologie der Samenzellen sind häufige Ursachen für Kinderlosigkeit. Durch eine gesunde eumetrische Ernährung  kann die Samenqualität deutlich verbessert werden. Und das am besten kombiniert mit regelmäßiger Ejakulation. Empfohlen ist ein täglicher Samenerguss, auch möglich durch häufiges Onanieren.

Was ist eigentlich ein „schlechter Samenbefund“?

Darüber ist sich die Fachwelt nicht einmal einig und wird es auch noch lange nicht sein. Nur weil bestimmte Werte angegeben werden, um die Diagnose „schlechter Samenbefund“ zu stellen, heißt dies noch lange nicht, dass dieser auch wirklich schlecht ist. Deshalb hier eine wichtige Nachricht an Männer mit vermeintlich „schlechtem Samenbefund“:

Keine Sorge. So schlimm, wie man häufig über die Samenbefunde berichtet, ist es in Wahrheit nicht. Oft kann der Samen auch durch einfache Maßnahmen verbessert werden.

Sinn macht es, die Gesamtzahl an beweglichen Spermien wie auch der Schweregrad der DNA- und Chromatin-Schädigung bei den Spermien zu messen. Eine einfache DNA-Analyse hilft hier schon weiter. Dann kann durch Verbesserung des Life-Styles und der Ernährung im Sinne von ZEM.WAY an der Optimierung der Samenqualität gearbeitet werden.

Dr. Nicolas Zech, Gründer des ZEM.WAY

2. Verschluss der Samenleiter

Verschlüsse der Samenleiter können durch Erbkrankheiten wie Mukoviszidose [1], nach Entzündungen im Bereich der Hoden oder nach Operationen im männlichen Genitalbereich entstehen.

Liegen verschlossene Samenleiter vor, können Spermien operativ [2] aus dem Hodensack gewonnen werden. Danach kann eine Schwangerschaft nach künstlicher Befruchtung der Eizelle in Vitro [3] erzielt werden.

3. Keine Samen im Ejakulat nach Samenerguss (Azoospermie)

Wenn keine Spermien im Samensekret nach dem Orgasmus vorhanden sind, spricht man von einer Azoospermie. Schon vor der Pubertät (präpubertär) kann es durch Sekret der Prostata nach entsprechender Stimulation des Penis zum Orgasmus mit Ejakulation des Prostatasekrets kommen.

Zu diesem Zeitpunkt werden noch keine Spermien produziert. Dies ist von der Natur vorgesehen, da Kinder nicht zeugungsfähig sein sollten. Durch eine Entzündung der Hoden im Kindesalter oder durch einen Hodenhochstand, der erst spät entdeckt oder medizinisch behandelt wird, kann auch nach dem Einsetzen der Pubertät weiterhin eine Azoospermie bestehen bleiben. Dies wird jedoch nicht immer erkannt, da das Prostatasekret dem Sperma sehr ähnlich sieht.

a) Postpubertäre Azoospermie

Nach der Pubertät sollte die Samenproduktion in den Hodenkanälchen natürlich anlaufen. Dieser Prozess wird Spermarche genannt. Setzt diese nicht ein, kommt es zur postpubertären Azoospermie. Diese hat wiederum unterschiedliche Ursachen und meist Kinderlosigkeit zur Folge.

b) Azoospermie bei Gendefekt

Genetische Defekte auf dem Y-Chromosom [4] führen dazu, dass die Samenproduktion nachlässt. Sie können sogar ein völliges Ausbleiben der Spermiogenese nach sich ziehen. Auch Gen-Mutationen im CFTR-Gen sind zumeist mit einer Azoospermie verbunden, da der Samentransport durch verschlossene Samenleiter nicht stattfinden kann.

c) Erworbene Azoospermie

Zu dieser Art gehören die „Obstruktive Azoospermie“ und die „Nicht-obstruktive Azoospermie“.

d) Obstruktive Azoospermie

Die Ursache dafür ist eine Obstruktion (= Verstopfung) der Samenleiter. Diese sorgen normalerweise für den Transport der Spermien aus dem Nebenhoden und der Samenblase. Durch eine Samenleiterdurchtrennung bei einer Sterilisation können die Spermien ebenfalls nicht mehr ejakuliert werden. Auch dieser Fall zählt zur obstruktiven Azoospermie. Ein beidseitiger Verschluss vom Spritzkanal (= Ductus ejaculatorius) führt ebenfalls dazu, dass Samenzellen nicht mehr transportiert werden können. Im Unterschied zu einem Samenleiterverschluss ist bei dieser Form der Azoospermie das ejakulierte Sperma gemessen am Gesamtvolumen deutlich reduziert.

e) Nicht-obstruktive Azoospermie

Hier sind die Samenleiter oder der Ductus ejaculatoris offen. Doch die Spermatogenese, also die Produktion von Samenzellen im Hoden, ist gestört. Ursachen hierfür können zum Beispiel eine Verkümmerung der Hodenkanälchen [5] oder auch ein hormonelles Ungleichgewicht [6] sein. So wird kein Samen gebildet. Auch hier ist die logische Folge die männliche Unfruchtbarkeit.

4. Bösartige Erkrankungen

Hodenkrebs muss operativ entfernt werden. Meist ist auch eine Chemotherapie zur Behandlung der bösartigen Wucherung nötig. Dies kann auch alle anderen Krebsarten betreffen, die medikamentös mit Chemotherapeutika behandelt werden. Wenn der Hoden entfernt werden muss, wird auch gleichzeitig die Produktionsstätte der Samenzellen entfernt. Der Hoden produziert den Samen; ohne Hoden gibt es keine Spermien.

Giftige Substanzen wie Chemotherapeutika, Pestizide und Umweltgifte wirken schädigend auf die Spermiogenese und können die Samenproduktion nachhaltig negativ beeinflussen.

Dies kann bis zu einer andauernden Azoospermie führen. In solchen tragischen Fällen ist eine Samenspende oft die einzige Alternative, um die männliche Unfruchtbarkeit zu umgehen.

Dennoch: in gewissen Fällen ist zwar die Samenproduktion so stark eingeschränkt, dass keine Spermien im Samen-Ejakulat nachweisbar sind. Doch im Hoden läuft noch vereinzelt die Spermiogenese läuft. Dann kann dieser Samen entnommen und wiederum eine In-vitro-Befruchtung vorgenommen werden.

„Leider wird Männern auch heute noch viel zu oft vorenthalten, dass sie vor einer geplanten Chemotherapie oder Entfernen der Hoden vorsorglich die Samenzellen einlagern könnten.“

Dies ist nur ein kurzer Überblick über mögliche medizinische Ursachen und Gründe für Kinderlosigkeit. Glücklicherweise gibt es für die meisten Ursachen auch entsprechende Möglichkeiten, diese medizinisch zu diagnostizieren und zu behandeln.

[1] Zystische Fibrose = Mutation im CFTR-Gen

[2] TESA/TESE = Testikuläre Spermien-Aspiration oder -Extraktion

[3] mit Hilfe der ICSI, IMSI; Embryonenkultur mit Auswahl von Blastozysten an Tag 5/6

[4] AZF-Region = Azoospermiefaktor-Gen

[5] lateinisch: Tubuli seminiferi; eine Form der Verkümmerung oder Anlagestörung im Hoden: Sertoli cell- only Syndrom

[6] etwa verursacht durch Doping mit Testosteron oder verursacht durch eine Hyperprolaktinämie, Verwendung von gewissen Haarwuchsmittel etc.