Polyphenole & Fruchtbarkeit

Polyphenole kommen in vielen Pflanzenarten vor und werden mit dem Genuss von Kaffee, Tee, Schokolade, Wein, Hülsenfrüchten, Gemüse, Gewürzen und Samenkernen in den Körper aufgenommen. Derzeit besteht ein wahrer Hype bezüglich der Polyphenole, da sie mutmaßlich einen positiven Einfluss auf degenerative und kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes, Entzündungen und Krebs haben. Der aktuelle Stand der Wissenschaft besagt aber, dass die Polyphenole kaum eine direkte antioxidative Wirkung besitzen. Vielmehr wirken sie indirekt, indem sie oxidative oder antioxidative Enzyme und Transkriptionsfaktoren hemmen oder unterstützen.

Es gibt verschiedene Gruppen von Polyphenolen. Davon bekannt sind unter anderem:

  • die Flavinoide,
  • das Resveratrol,
  • die Phenolsäuren,
  • das Kurkumin und
  • das Sesamin als ein Vertreter der Lignanen

Jedes einzelne Polyphenol kommt in verschiedenen Dosierungen in Nahrungsmitteln vor. Es wird von Mensch zu Mensch über den Darm unterschiedlich aufgenommen, verstoffwechselt und ausgeschieden. Die Menge und Geschwindigkeit der Absorption hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab. Wesentlich ist deren Molekulargewicht und damit auch ihre Größe sowie der Glycosylierungs- und Esterifikationsgrad, Ladungszustand und die Wasserlöslichkeit. Die wissenschaftliche Datenlage dazu ist jedoch auch heute noch dürftig.

Lebensmittel und deren Wirkung auf Gesundheit, Langlebigkeit und Fruchtbarkeit
Fit & Gesund mit der richtigen Ernährung

Kurkumin – Ein ganz besonderes Polyphenol

Nach aktuellem Stand der Forschung ist das Kurkumin für eine gesunde Darmflora wichtig. Es begünstigt offensichtlich die Aufnahme der Nahrungsbestandteile und hemmt die Entstehung von entzündlichen Prozessen. Mit Hilfe von Kurkumin wird zum Beispiel Alkohol sehr viel rascher abgebaut und ausgeschieden.

Manche Polyphenole werden so rasch umgewandelt und wieder ausgeschieden, dass sie gar keine Wirkung im Körper entfalten können. Für die meisten Polyphenole gilt auch, dass sie konstant zugeführt werden müssen, um überhaupt eine Wirkung im Körper entfalten zu können. Dies ist lediglich durch Nahrung möglich, die eine hohe Konzentration an Ballaststoffen enthält und so lange im Verdauungstrakt verweilt. Das ist etwa bei Nüssen, Bohnen oder Avocados der Fall.

Eine ausgewogene Ernährung ist folglich wichtig, um eine bunte Mischung an Polyphenolen gemeinsam mit ballaststoffreichem Gemüse, Hülsenfrüchten und Obstsorten zu sich zu nehmen und so die Darmflora als auch den gesamten Organismus gesund zu halten.


Polyphenole und die Fruchtbarkeit

Gewisse Polyphenole können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass das Polyphenol Kurkumin das Heranreifen von Eibläschen negativ beeinflussen sowie Eizellen und Zellen in einem Embryo abtöten kann. Auch Genistein, das zur Gruppe der Isovlavone gehört und unter anderem in Soja enthalten ist, besitzt eine östrogenartige Wirkung. Dadurch kann es zu einer Beeinträchtigung des Heranwachsens von Eibläschen führen und insgesamt die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Ebenso weisen Befunde nach, dass einige Polyphenole die Samenproduktion und die Qualität der Spermien reduzieren können. Eine der Ursachen dafür ist, dass die Polyphenole die Aufnahme von bestimmten Nahrungsbestandteilen wie Glukose, Folsäure (Vitamin B9) oder Thiamin (Vitamin B1) stark reduzieren oder verstärken kann. Dadurch gerät der gesamte Organismus aus dem Gleichgewicht, auch die Hormone.

Noch ein Beispiel: das Polyphenol Catechin, das zu der Gruppe der Flavinoide gehört und etwa in Grünteesorten in ausreichlichen Konzentrationen vorliegt wird sowohl eine oxidative als auch eine antioxidative Wirkung, je nach Dosierung und Einnahmemenge, zugesprochen. Dies kann auf Eizellen und Samenzellen als auch allgemein auf die Fruchtbarkeit und generell auf die Gesundheit sowohl förderlich wie auch schädlich wirken.


Polyphenole bleiben für mich ein heißes Thema. Es ist derzeit schwierig, Empfehlungen auszusprechen. Leider fehlen bis heute eindeutige, klinische Studien zu den direkten Wirkungen der Polyphenole auf den Menschen.

Empfehlenswert ist immer ein Mix aus hochwertigen Nahrungsmitteln und ein gesundes Mittelmaß – ohne Exzesse. Damit fährt man eigentlich immer gut. Noch besser ist es, wenn die Ernährung durch einen erfahrenen Experten angeleitet wird.